| Eine Idee entsteigt dem Feuer
Als ein 31 jähriger Schweizer namens Henry Dunant
1859 mehr zufällig als mit Absicht auf das Schlachtfeld von Solferino
stößt und mit dem Elend und der Not der über 40000 verwundeten
Soldaten konfrontiert wird, fühlte er sich verpflichtet Hilfe zu
leisten. Mit den Anwohnern der umliegenden Orte organisiert er Hilftrupps,
baut Tragen und hilft so vielen hundert Soldaten indem er versucht sie
effektiv zu versorgen. All seine Erlebnisse und Schlussfolgerungen schreibt
er später nieder und veröffentlicht sie 1863 in seinem Buch
"Eine Errinerung an Solferino".
Eine Hilfsorganisation entsteht
Als sich dann am 17. Februar 1863 fünf Staaten
zusammentun und unter Dunants Leitung das "Komitee der Fünf"
gründen, weiß noch niemand welche Auswirkungen all das haben
wird. Innerhalb der nächsten 120 Jahre sollten verschiedene Regelungen
über den Schutz von Verwundeteten, Kranken, und Schiffsbrüchigen
sowie die Behandlung von Kriegsgefangenen und Zivilpersonen zu Kriegszeiten
durch die vier Genfer Abkommen realisiert werden. Außerdem werden
sich nach und nach stetig mehr Rot-Kreuz und Rot-Halbmond Gesellschaften
dem "Internationalen Komitee vom Roten Kreuz" (IKRK) anschließen
und zur größten Hilfsorganisation heranwachsen, die dieser
Planet je erlebt hat.
Das Rote Kreuz kommt zu seinem Symbol
Im Deutsch-Dänischen Krieg werden 1864 erstmals
Henry Dunants Ideen an der Realität des Krieges erprobt - unter
anderem die Armbinde mit dem Schutzzeichen des Roten Kreuzes. Auf dieses
Symbol der freiwilligen Helfer hatte man sich auf der Konferenz von
1863 geeinigt. In späteren Fassungen des Genfer Abkommens wird
darauf hingewiesen, daß es zu Ehren der Schweiz durch Umkehrung
der Farben des eidgenössischen Wappens ausgewählt wurde.
Als im Jahre 1868 eine Hilfsgesellschaft in der Türkei
gegründet wurde, verwendete diese statt des Roten Kreuzes den Roten
Halbmond auf weißem Grund. 1929 erfolgte dann die offizielle Anerkennung
des Roten Halbmondes durch das IKRK.
Ein schwerer Anfang in einem gespaltenen Land
Im Jahr der Gründung des "Komitee der Fünf"
entsteht auch im damaligen Deutschen Reich der Württembergische
Sanitätsverein als 1. Nationale Rotkreuzgesellschaft. 1869 gründen
die 12 Landesvereine das "Zentralkomitee der deutschen Vereine
zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger", welches
10 Jahre später in "Zentralkomitee der deutschen Vereine vom
Roten Kreuz" umbenannt wird. Nach weiteren Namensänderungen
innerhalb der Länder werden 1921 alle 26 Landesvereine und Landesfrauenvereine
(Schwesternschaften) zum Deutschen Roten Kreuz e. V. mit Sitz in Berlin
vereint.
Das Deutsche Rote Kreuz
Nach dem Beitritt des DRK zur 1919 gegründeten
"Liga der Rotkreuzgesellschaften" entsteht am 27.Mai 1925
das Jugendrotkreuz. Dieses machte es sich zur Aufgabe auch die Jugend
zum Helfen zu begeistern. Nachdem im Zuge der Gleichstellung alle anderen
Hilfsorganisationen in Deutschland verboten wurden, erfährt das
DRK 1933 einen großen Zulauf an Helfern. Als 1937 das DRK nach
dem "Führerprinzip" strikt hierarchisch neu gegliedert
wird, verliert die Organisation zeitgleich alle Wohlfahrtseinrichtungen
und das Jugendrotkreuz. Im 2. Weltkrieg sind insgesamt 800.000 Ärzte,
Krankenschwestern, Helferinnen und Helfer im Zeichen des roten Kreuzes
auf weißem Grund im Einsatz.
Vom DRK zum DRK
Nach Beendigung des Krieges wird 1949 erst das DRK in
der Sowjetzone und fünf Tage später auch das in den westlichen
Besatzungszonen aufgelöst. Nur ein Jahr später wird in der
Bundesrepublik Deutschland das DRK neu gegründet und muß
sich nun erneut im internationalen Kreis bewähren. Durch die Wiedervereinigung
der DDR und der BRD fügen sich auch die beiden DRK-Gesellschaften
wieder zu einer Organisation zusammen. 80 Jahre nach der Gründung
des DRK in Berlin zieht 2001 das Generalsekretariat von Bonn zurück
nach Berlin.
Die Grundsätze des
Roten Kreuz
- Menschlichkeit - Wir dienen Menschen, aber
keinem System.
Unser Auftrag ist es, überall auf der Welt das Leben und die
Gesundheit von Menschen zu schützen, menschliches Leiden unter
allen Umständen zu verhindern oder zumindest zu lindern.
- Unparteillichkeit - Wir versorgen das Opfer,
aber genauso den Täter.
Wir kennen keinerlei Unterschiede zwischen Staatsangehörigkeit,
Rasse, Religion, sozialer Stellung und politischer Zugehörigkeit.
Wir helfen den Menschen einzig nach dem Maß ihrer Not.
- Neutralität - Wir ergreifen die Initiative,
aber keine Partei.
Jeder Mensch muß sich uneingeschränkt und voller Vertrauen
an das Rote Kreuz wenden können. Es muß als Symbol der
Menschlichkeit und Hilfe über allen Parteien stehen. Deshalb
enthalten wir uns der Teilnahme an Feindseligkeiten wie auch an politischen,
rassischen, religiösen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen.
- Unabhängigkeit - Wir gehorchen der
Not, aber nicht dem König.
Die Bewegung ist unabhängig. Obwohl die Gesellschaften den jeweiligen
Landesgesetzen unterstellt sind, bewahren sie dennoch ihre Eigenständigkeit
und stellen die menschlichen Grundsätze der Bewegung über
die Vorschriften eines Systems.
- Freiwilligkeit - Wir arbeiten rund um die
Uhr, aber nie in die eigene Tasche.
Wir leisten unsere Hilfe freiwillig und völlig uneigennützig
überall dort, wo Menschen in Not sind und wo deshalb Menschen
der Tat gebraucht werden.
- Einheit - Wir haben viele Talente, aber
nur eine Idee.
In jedem Land gibt es nur eine einzige Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft.
Sie steht allen offen, die im Sinne Henry Dunants ihren Beitrag zur
Menschlichkeit leisten wollen, jeder an dem Platz, den er am besten
ausfüllt.
- Universalität - Wir achten Nationen,
aber keine Grenzen.
Die internationale Bewegung vom Roten Kreuz und Roten Halbmond ist
eine weltumfassende Institution, in der alle Gesellschaften die gleichen
Rechte haben und sich verpflichten, einander zu helfen.
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